Der Skandal bei Tönnies ist mehr als nur ein Corona-Problem

von Bärbel Hermansen

Der Ausbruch des Corona-Virus beim Fleischunternehmen Tönnies in Rheda-Wiedenbrück betrifft nicht nur den Kreis Gütersloh sondern auch die umliegenden Gemeinden  und Kreise. Zwischen Hamm und Paderborn wohnen Mitarbeiter des Unternehmens, die nun alle wieder bangen, ob nicht eine Quarantäne notwendig ist. Es trifft insbesondere die Familien mit Kita- und Schulkindern, die wieder von den Einschränkungen besonders hart betroffen sind. Zurecht waren in den letzten Tagen vor den Werkstoren in Rheda-Wiesenbrück Bilder von protestierenden Eltern zu sehen, die auf ihren Transparenten „Bildung statt Billigfleisch“ gefordert haben.

Für den SPD-Kreisvorsitzenden Burkhard Blienert ist der Corona-Skandal bei Tönnies  der Auslöser, um grundsätzlich auch einige tieferliegende Missstände insbesondere in der Fleischindustrie anzupacken. Bundessozialminister Hubertus Heil von der SPD hat dazu schon in der Vergangenheit notwendige Vorschläge gemacht, die leider durch die Wirtschaftspolitiker der CDU blockiert wurden.

Die Liste des Unerträglichen ist lang: Unbezahlte Überstunden, überteuerte und schlechte Unterkünfte, mangelnde Hygiene, Verstöße gegen das Arbeitszeit- und Mindestlohngesetz.

Besonders betroffen durch diese prekären Arbeitsbedingungen sind Beschäftigte, die aus dem Ausland stammen und für Sub-Sub-Sub-Unternehmen schuften müssen.

Starke Arbeitnehmerrechte und faire Arbeitsbedingungen müssen auch in der Fleischindustrie gelten, was nur mit Kontrollen wirksam durchgesetzt werden kann.

Angesichts solcher katastrophalen Zustände, die uns alle so sehr entsetzen, ist die öffentliche Empörung jedes Mal groß. Eine Politik, die auf Freiwilligkeit der Unternehmer und auf den Geldbeutel des Verbrauchers schielt, reicht nicht aus. Es geht nur durch staatliche Kontrolle gegen Missbrauch, gesetzliche Vorgaben im Arbeitsschutz, weitergehende Richtlinien und Programme, um art- und tierwohlgerechte Landwirtschaft zu ermöglichen.

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