„Smarte Arbeitswelt!“ Kreiskonferenz der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen in der SPD, im Kreis Paderborn

von Bärbel Hermansen

Mohamed Soubh zum neuen Vorsitzenden gewählt

Die rasante Entwicklung der Digitalisierung in der Arbeitswelt, die neben der Industrie auch viele Dienstleistungsbranchen verändern wird, betrifft daher auch die Arbeitswelt. Die Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA) in der SPD hatte dazu zwei Experten für ihre Konferenz eingeladen.

Oliver Dietrich, IG-Metall Projektsekretär Arbeit 4.0 erläuterte die Chancen und Risiken, die sich für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit den neuen Technologien ergeben. Er selbst arbeitet in OWL mit einigen namhaften Unternehmen und deren Betriebsräten zusammen, die sich unter dem Dach von It´s OWL engagieren. Hierbei geht es zum Beispiel um bedarfsgerechte Einrichtung der Technik, die nur gemeinsam mit der Belegschaft erarbeitet werden kann. Dies setzt häufig eine Veränderung der Unternehmenskultur sowie gegenseitiges Vertrauen voraus. Herr Dietrich betonte, dass es auf das Engagement der Menschen vor Ort ankommt, die Chancen anzupacken und gemeinsam die Vorzüge der technischen Entwicklung zu gestalten.

Als zweiter Referent legte Dr. Bernd Gröger, stellvertretender AfA Vorsitzender in NRW, den Fokus auf die gesellschaftspolitischen Auswirkungen der Digitalisierung der Arbeitswelt. Bernd Gröger war beruflich bei der Technologie Beratungsstelle (TBS) des DGB mit dem Thema vertraut. Er warf den Blick auf die Arbeitnehmerrechte, die sich z. B. durch die Flexibilisierung der Arbeitszeiten und den Wegfall von Arbeitsstellen durch Digitalisierung veränderten. „Was macht das mit unserer Arbeitsgesellschaft, wie wird der Arbeitsschutz zukünftig gewährleistet, welche neuen gesundheitlichen Probleme wird die Digitalisierung den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern bringen, sind die neuen und alten Fragen solcher Veränderungen“, so Gröger.

In der Diskussion wurde anschließend die Befürchtung geäußert, dass sich die Ungleichgewichte in der Gesellschaft noch verstärken werden. Als wichtig wurden u. a. Fragen der Bildung und Qualifizierung gesehen, die sich durch das ganze Arbeitsleben ziehen müssen. Hier sieht sich auch die AfA in der Pflicht, diese Themen immer wieder publik zu machen und in die Diskussionen der SPD zu tragen.

Anschließend wurde der neue Vorstand gewählt. Die Mitglieder der AfA im Kreis Paderborn wählten Mohamed Soubh, Betriebsratsvorsitzender bei ARVATO einstimmig zum neuen Vorsitzenden. Der anwesende Kreisvorsitzende der SPD, Burkhard Blienert freut sich auf die Zusammenarbeit.

In diesem Zusammenhang geht Burkhard Blienert auch auf den Start der neuen Koalition in Berlin sowie auf das Zitat von Carsten Linnemann, CDU-MdB beim Königstreffen der Schützen am vergangenen Wochenende in Paderborn ein. Der CDU-Abgeordnete beklagte dort das Rufen nach dem Staat anstatt dass die Menschen selber handeln. Blienert meint dazu, dass gerade das Zurückziehen des Staates aus vielen Bereichen des gesellschaftlichen Zusammenlebens sich heute nun negativ bemerkbar macht. Immer mehr Menschen erwarten nichts mehr von der Politik bei der Verbesserung ihrer persönlichen Lebenssituation, z.B. bei der Pflege von Angehörigen oder beim Kampf gegen Missbrauch von Werkverträgen sowie Leih- und Zeitarbeit. Hier muss laut Blienert in den nächsten Jahrzehnten wieder stärker in den Ausbau des Rechts- und Wohlfahrtsstaates investiert werden. Die Menschen müssen sich auf die Gemeinschaft und den Staat verlassen können. "Nur die Reichen können sich einen schwachen Staat leisten", merkt Blienert dazu nur an.

Foto: Mohamed Soubh, Vorsitzender der AfA

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