Stellungnahme der AG Migration und Vielfalt des Kreisverbandes der SPD Paderborn zu Clemens Tönnies

von Bärbel Hermansen

Auf dem Liborifest 2019 liegt ein Schatten, verursacht durch die rassistischen Äußerungen des Festredners auf dem Handwerkertag, Carsten Tönnies. Dass es sich bei den Äußerungen von Tönnies nicht um einen Ausrutscher handelt, liegt auf der Hand: Sicher kann man einmal einen politisch inkorrekten Ausdruck fahrlässig verwenden. Hier hatte sich jedoch der Festredner einen für sich genommen schlüssigen, wenn auch fakten-fernen Gedankengang zurechtgelegt, um seinen Unmut über drohende Klimasteuern in Verbindung zu bringen mit dem angeblichen Kinderreichtum afrikanischer Familien. So etwas ist kein Ausrutscher. Das ist vereinfachter Stammtisch-Diskurs, holzschnittartig, von oben herab, dem kolonialen Stil vergangener Zeiten gegenüber Afrika entsprechend. Alltagsrassismus, der in dem Gewand des Schlachter-Großindustriellen im dezenten Nadelstreifen daherkommt.

Es wundert niemanden, dass diese Äußerungen in der Öffentlichkeit nicht nur Kopfschütteln hervorgerufen haben, sondern massive Kritik am Redner selbst, der nicht nur in seiner Funktion als Unternehmer von deren „Verantwortung" referierte, sondern auch als Leitfigur des Schalker Fußballvereins Vorbildfunktion hat. Seine zutage getretene Gesinnung wird er dort in seinem Verein verantworten müssen. Die Paderborner Handwerkerschaft wird sich allerdings auch fragen lassen müssen, warum sie im Nachhinein zu dem Gesagten bisher geschwiegen hat.

Zum Paderborner Problem wird das Ganze dadurch, dass der heimische Bundestagsabgeordnete der CDU, Carsten Linnemann, bereits zwei Tage nach dem Vorfall zum Ende der Debatte über Tönnies Äußerungen aufrief. Dies mit der Begründung, dass es doch andere, wichtigere Baustellen auf dem Politikfeld gebe. Wir, die AG Migration und Vielfalt in der Paderborner SPD, widersprechen dieser Auffassung. Herr Linnemann hat noch nicht erkannt, dass auch in dieser Region Rassismus und Ausgrenzung nicht mehr den sozialen Medien vorbehalten sind, sondern längst Alltag im unmittelbaren Zusammenleben sind. Für uns ist die Bekämpfung von Rassismus und rechtsextremem Gedankengut eine ganz wesentliche „Baustelle" in der aktuellen politischen Diskussion. Sich schützend vor den Festredner Tönnies und seine unsäglichen Entgleisungen zu stellen, wirft einen weiteren Schatten auf das an sich weltoffene Liborifest in unserer so oft zitierten „geliebten Heimatstadt Paderborn".

Die Paderborner Sozialdemokratie wird sich weiter bewusst und wachsam gegen rechtsextreme und rassistische Tendenzen zur Wehr setzen.

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