Wirtschaft und Arbeit im digitalen Wandel

von Bärbel Hermansen

Elvan Korkmaz und Dirk Wiese, Abgeordnete der SPD Bundestagsfraktion diskutierten mit Jörg Kesselmeier, Geschäftsführer der Connext Communication GmbH

Rund 60 Interessierte fanden sich Donnerstagabend im Hotel Vivendi ein um Fragen rund um das Thema „Arbeit und digitaler Wandel“ zu diskutieren. In seinem Eingangsreferat ging Dirk Wiese, MdB aus dem Hochsauerlandkreis, auf grundsätzliche Themen der Digitalisierung ein. Seine Forderungen zielten auf das Beibehalten eines europäischen Wirtschaftsmodells, welches zum Beispiel den Schutz der Daten beinhaltet, auch wenn dies zu zeitlichen Verzögerungen führen kann.

Elvan Korkmaz, MdB und zuständige Berichterstatterin im Ausschuss „Digitale Agenda“ stellte den Zuhörenden den Anspruch der SPD an die Arbeit im digitalen Wandel vor. Grundlegend wichtig ist, dass die Arbeitenden die notwendigen Kompetenzen für die Zukunft erwerben können und immer wieder auf den neuesten Stand gesetzt werden. Somit ist für die SPD enorm wichtig, dass die Bundesagentur für Arbeit auch für die Qualifizierung zuständig ist und diese Aufgabe als ebenso wichtig ansieht. Korkmaz betonte ebenso, dass alle Entwicklungen hinterfragt werden müssen. „Wichtig ist mir, dass in jedem Arbeitsfeld der Sinn und Zweck der Digitalisierung hinterfragt wird und dass die Datenkontrolle gewährt bleibt. So sind auch die Kommunen aufgerufen, an dieser Stelle selbstständig zu bleiben“, ist der Appell von Elvan Korkmaz.

Der dritte Impuls für die nachfolgende Diskussion wurde aus der Praxis gegeben. Jörg Kesselmeier, Geschäftsführer des Software-Unternehmens Connext Communication GmbH, stellte die Arbeit in dem Unternehmen vor. Hauptstandort der Firma ist Paderborn, doch es gibt noch fünf andere Standorte in Deutschland (u.a. Hamburg und Berlin) und einen Standort in Wien. Rund 250 Mitarbeitende sind mit der Entwicklung und Weiterentwicklung von Software, Betreuung und Schulung der Kunden, Einrichtungen und Träger der Sozial- und Gesundheitswirtschaft, befasst. In seiner Vorstellung wird die Veränderung der Arbeitswelt durch Digitalisierung im Dienstleistungsbereich sehr anschaulich verdeutlicht.

In der folgenden sehr regen Diskussion wurden viele Fragen und auch Ängste angesprochen. SPD Kreisvorsitzender Burkhard Blienert hatte als Moderator der Diskussion eine Menge Meldungen zu koordinieren. Wie soll die Qualifizierung für die Mehrheit der Beschäftigten, die durch Digitalisierung weg rationalisiert werden, von statten gehen? Und gibt es in der digitalen Arbeitswelt dann noch genügend Arbeitsplätze? Wie sieht es mit den Rechten der Arbeitnehmer*innen aus, wie kann ein Schutz der Arbeitnehmer*innen in der Plattformökonomie sichergestellt werden. In den Antworten der Experte*innen wurde deutlich: Einen großen Schwund an Arbeitsplätzen in der Summe wird es nicht geben. Aber natürlich müssen die Arbeitenden für die neuen Aufgaben kontinuierlich geschult werden. Daher muss die Bundesagentur für Arbeit den inhaltlichen Zusatz der Qualifizierung bekommen. Dirk Wiese konnte Beispiele guter Vereinbarungen zwischen Betriebsrat und Firmenleitungen aus dem Hochsauerlandkreis benennen. Die Politik sollte auch einen größeren Fokus auf den Mittelstand werfen ist die Meinung des Abgeordneten.

Konkrete Anforderungen an die Politik wurden in der Frage des aktuell stark diskutierten Modells von Heimarbeit, des Home Office gestellt. Hier soll die Politik auf jeden Fall rechtliche Rahmenbedingungen bezüglich des Datenschutzes, der Anliegen der Arbeitsstättenverordnung, des Arbeitszeitgesetzes und der Versicherungsfragen schaffen. Diese würden sowohl den Arbeitenden als auch den Arbeitgebern die Sache sehr erleichtern.

Fragen von Steuerungerechtigkeiten in Bezug auf Großunternehmen im IT Bereich als auch ethische Fragen bei der Digitalisierung wurden ebenso aufgeworfen.

Deutlich war, an einem Abend kann das Thema nicht ausdiskutiert werden. Doch die Diskussion war für alle sehr anregend und die beiden Abgeordneten nehmen sicher einige Fragestellungen bzw. Anforderungen mit nach Berlin.

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